WKV-Verbandstag 2019:  Ehre, wem Ehre gebührt…

Bericht: Uwe Veltrup

 

 

WKV-Verbandstag 2019:  Ehre, wem Ehre gebührt…

 

Für den im vergangenen Jahr gewählten WKV-Vorsitzenden Bernd Keßmeier war es die Premiere in seiner neuen Funktion: Im Rathaussaal der westfälischen Kleinstadt Rheda-Wiedenbrück begrüßte der neue Verbandsvorsitzende am 14. April die Vertreter der im Westdeutschen Kegel- und Bowlingverband organisierten Vereine.

Die Region Rheinland war mit 28 Vereinen und 33 Stimmen vertreten. Aus Westfalen nahmen  24 Vereine mit 30 Stimmen am Verbandstag teil. Mit den acht anwesenden Vorstandsmitgliedern wurden somit 71 Stimmrechte gezählt.

Von Salzgitter nach Rheda war auch der neue DSKB-Präsident Carsten Schinke gereist. Er wurde ebenso von Bernd Keßmeier herzlich begrüßt wie die anwesenden Ehrenmitglieder Fritz Colditz, Wolfgang Oehmichen und Willi Rausch.

Bei der Verbandsversammlung 2020 werden voraussichtlich weitere Ehrenmitglieder begrüßt. Denn: Zu Beginn der diesjährigen Hauptversammlung wurden langjährige Kegelsport-Funktionäre zu WKV-Ehrenmitgliedern ernannt.

WKV-Vorsitzender Bernd Keßmeier überreichte die entsprechende Urkunde an seinen Vorgänger Wilfried Rickert, der sich insgesamt 25 Jahre im WKV-Vorstand für seinen Sport umwerfend engagiert hat. Nach 19 Jahren als „Vize“ führte der leidenschaftliche Kegelsportfreund aus Rheda sechs Jahre den nordrhein-westfälischen Dachverband für den Bowling- und Kegelsport als Vorsitzender.

Noch zehn Jahre länger war Erich Schröder im WKV-Vorstand aktiv: 35 Jahre war der Multi-Funktionär, der in den vergangenen Jahrzehnten auch auf nationaler und internationaler Ebene Verantwortung und Ämter übernahm, im WKV als Rechnungsführer für die Finanzen verantwortlich. Elisabeth Nacci, die neue WKV-Rechnungsführerin, überreichte die Ehrenurkunde an Erich Schröder, der übrigens bereits im vergangenen Jahr mit der Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde.

Inge Erwied und Josef Schmitz, die als Sportwarte-Duo jeweils 39 Jahre viel Zeit auf und hinter den Kegelbahnen sowie an Schreibtischen für den Kegelsport investierten, konnten leider nicht nach Rheda kommen, um ihre Ehrenurkunden persönlich entgegen zu nehmen. Wie stark Josef Schmitz – der Hildener ist nicht nur in Sportkegelkreisen als „Jupp“ bekannt – und Inge Erwied, die übrigens auch 23 Jahre als Geschäftsführerin des WKV fungierte, das Erscheinungsbild und eine Ära des WKV geprägt haben, wurde deutlich, als selbst ältere Teilnehmer des WKV-Verbandstages überlegen mussten, wer deren Vorgänger waren…

 

Bekannt bei den Delegierten des Verbandstages waren und sind hingegen der aktuelle Sportwart Raphael Kerkhoff und Gisela Ignatzy als Damenwartin, die in Rheda ebenfalls Urkunden und Pokale überreichten: Sie wünschten den Meistern der NRW-Ligen der Frauen und Männer – SK Kleve und SKC Langenfeld/Paffrath – viel Glück in der neuen Saison der Damen-Bundesliga beziehungsweise der zweiten Bundesliga der Herren.

Der WKV-Verbandstag wurde ebenso genutzt, um weitere langjährige Kegelsport-Funktionäre mit Verdienstabzeichen zu ehren. Bernd Keßmeier überreichte das bronzene Verdienstabzeichen an Willi Dunker, der seit über dreißig Jahren die Keglervereinigung Rheydt, führt.  Über das Verdienstabzeichen mit Goldkranz freute sich Wilhelm Vondenhoff. 1996 wurde er zum Vorsitzenden des Aachener Sportkegelvereins gewählt und steht seitdem an der Spitze des erfolgreichen Vereins in der Kaiserstadt. Zuvor engagierte er sich bereits als Geschäftsführer und zweiter Vorsitzender für seinen Verein im Dreiländereck.

Klaus Tepaß, neuer Vorsitzender der Region Westfalen, ehrte im Rahmen des WKV-Verbandstages seinen Vorgänger Werner Becker. Der neue Ehrenvorsitzende der Region Westfalen aus Herford war viele Jahre erster Mann des nordwestfälischen Kegelsport-Verbandes und übernahm nach der Neustrukturierung des WKV die Führung der westfälischen Kegelsportregion.

 

Beschlossen und verkündet: Es geht nicht ohne Beitragserhöhung

 

Von der Begrüßung über die Ehrungen – siehe Bericht unter der Überschrift „WKV-Verbandstag: Ehre, wem Ehre gebührt“ – und die Aussprache zu den bereits im Vorfeld verschickten Tätigkeitsberichten der Vorstandsmitglieder bis zur einstimmigen Entlastung des Verbandsvorstandes: Die ersten Tagesordnungspunkte der Verbandsversammlung 2019 in Rheda konnten relativ zügig „abgehakt“ werden.

Eifrig diskutiert – das war nicht anders zu erwarten und so soll es in einem Verband auch sein – wurden die diversen Anträge sowie der Haushaltsplan mit der Festsetzung der Beiträge.

„Wie kann der Fehlbetrag im Haushaltsplan ausgeglichen werden?“ Insbesondere diese Frage wurde intensiv erörtert. Die im vergangenen Jahr gewählten WKV-Vorstandsmitglieder waren sich einig, dass eine Beitragserhöhung notwendig sei. Bernd Keßmeier brachte es auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, ob wir die Beiträge erhöhen müssen, sondern in welcher Höhe.“ Gemeinsam mit der Rechnungsführerin Elisabeth Nacci analysierte der WKV-Vorsitzende die Gründe für die Finanzlücke in Höhe von circa 8.700 €: „Es lag und liegt keinesfalls am fehlenden Sparwillen. Vielmehr zahlt der Landessportbund keine Leistungszulage mehr an den WKV, da nur noch Verbände, deren Sportarten bei den olympische Sportarten oder bei den World Games dabei sind, gefördert werden. Leider zählt Kegeln nicht dazu. Außerdem zeigt ein Blick in die Mitgliederstatistik, dass die Beitragseinnahmen kontinuierlich rückläufig waren und sind.“

Da auch die Versammlungsteilnehmer auf der Ausgabenseite kaum Einsparpotential sahen,  wurde die Frage nach den vorhandenen Rücklagen gestellt. Der Mindener Heiko Hepermann warnte hingegen vor einem Griff in die Rücklagen: „Finanzstrategen empfehlen, dass das Vermögen mindestens so hoch sein sollte, wie die jährlichen Ausgaben. Selbst diese Höhe erreicht der WKV mit seinem aktuellen Vermögen nicht.“ Nicht zuletzt wegen dieser kompetenten Wortmeldung stimmte die Versammlung mehrheitlich für eine Erhöhung des Jahresbeitrags an den WKV um 3,60 € für erwachsene Mitglieder ab 2020. Der Beitrag für Jugendliche wird nicht erhöht.

Details zur Diskussion über alle in Rheda diskutierten Anträge und zu den Ergebnissen sind dem Protokoll, das in Kürze auf der WKV-Internetseite veröffentlicht wird, zu entnehmen. Dort wird auch der voraussichtliche Termin für den nächsten Verbandstag dokumentiert sein: Wer will, kann sich bereits jetzt den 5. April 2020 vormerken.

 

 

Diskussion über Veränderungen des Spielsystems beim WKV-Verbandstag

 

Vier oder sechs Spieler(innen) pro Mannschaft? Welcher Spielmodus ist am attraktivsten? Mannschaft gegen Mannschaft oder Turniersystem? Diese Fragen wurden in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder gestellt und diskutiert.

Vor über einem Jahr entschieden die Mitglieder des Sportausschusses des Deutschen Schere Keglerbundes (DSKB), eine Arbeitsgruppe mit der Entwicklung einer Konzeption zu beauftragen. Maike Killadt, Daniel Klink, Daniel Schöneberger, Carsten Schinke, Robert Heinichen und Thomas Fischer machten sich an die Arbeit, um nicht nur Ideen für ein neues Spielsystem auszutauschen, sondern auch Vorschläge für die Reform der regionalen und nationalen Meisterschaften sowie für eine Reform des Rahmenterminplans zu formulieren.

Carsten Schinke, neuer DSKB-Präsident, präsentierte den Delegierten des WKV-Verbandstages die Ergebnisse des Diskussionsprozesses und betonte gleich im nächsten Satz, dass die Vorschläge zur Reform der Deutschen Meisterschaften und des Rahmenterminplanes grundsätzlich gebilligt wurden, die Vorschläge zur Reform des Spielsystems jedoch noch nicht beschlossen wurden.

 

„Bei unseren konzeptionellen Überlegungen ging es uns zunächst lediglich um ein neues Bundesliga-Spielsystem, das für Aktive, Zuschauer und Sponsoren attraktiv ist. Daher war es auch kein Zufall, dass ausschließlich Bundesliga-Akteure in der Arbeitsgruppe ihre Ideen ausgetauscht haben“, merkte der neue erste Mann im DSKB in seiner Einführung an.

Gleichwohl hörten die Vertreter auch unterklassiger Vereine aufmerksam zu, da es selbstverständlich für die Aktiven und nicht zuletzt für die Öffentlichkeitsarbeiter in den Vereinen vorteilhaft wäre, von der Bundes- bis zur Kreisliga ein einheitliches System zu spielen.

Carsten Schinke skizzierte die wesentlichen Elemente des Spielsystems:

  • In den Bundesligen wird es nur noch acht statt zehn Vereine geben.
  • Die Ligen werden in jeweils zwei Staffeln aufgeteilt.
  • Für die Teams sollen nur noch jeweils vier statt sechs Spieler auf die Bahnen gehen.
  • Die Reihenfolge wird vor Spielbeginn verbindlich festgelegt.
  • Nach jedem Block erfolgt die Vergabe der Blockpunkte: Vier Punkte für den besten Spieler, drei für den zweitbesten, zwei Punkte für die Nr. 3 des Blocks und einen für den Spieler mit dem schwächsten Ergebnis.
  • Die Blockpunkte werden addiert. Die Mannschaft mit den meisten Punkten gewinnt den Spieltag und erhält vier Spieltagspunkte. Die nachfolgenden Mannschaften erhalten nach dem Spieltag drei Punkte, zwei Punkte und einen Punkt.
  • Nach jedem Spieltag wird auf der Basis der beiden Staffeln eine Gesamttabelle ermittelt.
    • Erstes Kriterium sind die erzielten Spieltagspunkte.
    • Zweites Kriterium sind die erzielten Blockpunkte.
    • Drittes Kriterium sind die erzielten Kegelzahlen.

Im Rahmen seiner Präsentation veranschaulichte Carsten Schinke das Reformkonzept mit einem konkreten und fiktiven Beispiel. Der DSKB-Chef nahm Kritik und Anregungen auf. Grundsätzlich befürwortet wurde, dass es von der untersten bis zur obersten Liga eine einheitliche Mannschaftsstärke geben könnte. Schließlich führten Auf- und Abstiege in beziehungsweise aus Ligen, in denen mit unterschiedlichen Mannschaftsstärken, mit vier oder sechs Spieler(innen) gekegelt wird, immer wieder zu Problemen.

Ein Blick in viele Gesichter der Tagungsteilnehmer zeigte hingegen, dass sich viele Delegierte fragten, wie lange es wohl dauert, das Spielsystem den aktiven Vereinsmitgliedern sowie den Zuschauern oder den Journalisten zu erklären.

Die stets konstruktive Diskussion war, wie auch Bernd Keßmeier bei seinem Schlusswort nach einem fast sechsstündigen Verbandstag bestätigte, durch Offenheit geprägt.  Carsten Schinke versprach, ebenso offen für neue Ideen zu sein.  So wurde etwa vorgeschlagen, auch für die Gesamtkegelzahl Spieltagspunkte zu vergeben, um mit einer weiteren Wertung für ein zusätzliches Spannungselement und weitere Spannungsmomente zu sorgen. Vom DSKB-Präsidenten über die WKV-Vorstandsmitglieder bis zum Vereinsvertreter waren sich alle einig, dass Transparenz und eine breite Diskussion die Voraussetzung für Akzeptanz ist. „Vor diesem Hintergrund soll es in den Landesverbänden des DSKB schon bald Testspiele auf der Grundlage des Reformkonzeptes geben“, waren sich Bernd Keßmeier und Carsten Schinke einig.